OTE 150 mount
 
 
Seitdem die Montierung wieder von ihrer Überarbeitung zurück ist, konnte ich mich von der Verbesserung überzeugen. Der Fehler ist eindeutig niedriger geworden, ich denke er pendelt sich auf etwa 10 Bogensekunden ein. Da er sehr langsam erscheint, kommt der Autoguider sehr gut damit zurecht, damit kann ich sehr gut leben. Auch wenn man nicht den Luxus eines Autoguiders genießt und manuell nachführt, wird man keine Probleme haben.
 
Fazit:
Ich bin der Meinung, dass die OTE150 eine sehr gut gelungene Montierung ist, die hervorragend für die Photografie geeignet ist. Aber auch wenn man sie nur visuell nutzt, wird man viel Freude damit haben. Mit ihren 16kg ist sie noch mobil einsetzbar, besonders weil man sie gut transportieren kann. Die Angabe, damit Teleskop mit 20kg tragen zu können ist realistisch denke ich, es kommt natürlich auch auf den Teleskoptyp an welchen man nutzt, ein C11 wird sicher locker getragen. Wie ich schon erwähnt habe, kann ich den Polsucher nicht beurteilen, nur so viel kann ich sagen, dass eine Beleuchtung sicher sehr hilfreich wäre. Wer eine Montierung in der "mageren" 20kg Klasse sucht, ist mit der OTE150 gut bedient.
 
 
Abschließend noch ein paar Impressionen des guten Stückes:
 
 
Artikel
 
Die OTE150 - Eine deutsche Montierung in der 20kg-Klasse
 
"Ich brauche eine Montierung, die meinen 15kg Tubus noch sehr stabil trägt, was gibt es da ?" Diesen Satz bekommt man sehr oft zu hören, wusste aber nie genau, was man darauf antworten soll, da in dieser Gewichtsklasse eine größere Lücke herrschte. Zum einen gibt es die Vixen GP-DX, die Teleskop bis 10kg sehr gut trägt, aber danach war erst einmal Schluss. Als nächstes konnte man nur noch die richtig großen Montierungen empfehlen, die dadurch entsprechende Preise haben.
Diese Lücke hat OTE Astrotec mit ihrer OTE150 Montierung jetzt geschlossen, dieser Artikel soll von dieser neuen Montierung berichten.
 
Es muss wohl letztes Jahr um diese Zeit gewesen sein, als die ersten Gerüchte umhergingen, dass OTE Astrotec eine neue Montierung in der 20kg Klasse herausbringen will. Ich kannte diese Firma gar nicht, war also sehr gespannt was da auf uns zu kommt. Für meine kommende CCD Karriere war ich auf der Suche nach einer größeren Montierung, die meinen 8" f/4 Newton und die schwere CCD Kamera ST-7 von Sbig stabiler tragen kann, als die Vixen GP-E, die ich damals nutzte. Sie sollte eine sehr hohe Laufruhe und einen kleinen periodischen Schneckenfehler haben. Und genau das suchte es nämlich in meiner angestrebten Preis- und Gewichtsklasse vergeblich. Da OTE genau diese Eigenschaften vorhatte zu verwirklichen, entschloss ich mich noch vor der Auslieferung der OTE150 Montierung eine zu bestellen. Als Steuerung wollte ich meine Boxdörfer MTS3-SDI, die schon an der GP-E sehr gute Dienste geleistet hat, weiter benutzen. Für einen Preis von etwa 1700 Euro, inklusive einem weiteren Gegengewicht und einem Schwalbenschwanz, passend für Vixen Teleskope war sie deutlich günstiger als die nächst größeren Montierungen die meine Erwartungen erfüllt hätten. Ein weiterer Grund für meine Entscheidung war, dass OTE einen periodischen Schneckenfehler von unter 10" (Bogensekunden) garantierten, was sehr verlockend klang. Dieser Wert ist für die Astrophotografie sehr wichtig, da er angibt wie groß der Fehler der Schnecke ist, also wie groß die Abweichung des Sternes in der RA Richtung ist.
 
Nach mehrfachen Verschiebungen des Auslieferungstermins war es endlich so weit: Die OTE150 war auf dem Weg zu mir! Der UPS Lieferant hatte seine große Mühe, das schwere Paket aus seinem Wagen zu heben, ganz zu schweigen von der Mühe, es die Treppen in unsere Wohnung zu tragen. Leider hatte das Paket eine große Delle an einer Seite, die wohl auch die Schuld an der verbogenen Azimut-Verstellschraube trägt. Das Problem mit der Lieferung hat OTE aber bereinigt, da die Montierungen mittlerweile in einer stabilen Holzkiste verschickt werden. Auch der Umtausch der Schraube war kein Problem. Der erste Eindruck beim Auspacken war sehr gut. Da ich schon vorher mehrere Montierungen in dieser Gewichtsklasse aus China kannte war ich sehr über die gute Verarbeitungsqualität erfreut. Über das Design lässt sich wirklich streiten, mir persönlich gefällt es wirklich gut, aber das ist ja bekanntlich Geschmacksache. Einen großen Vorteil hat das Design aber, das müssen sogar die Kollegen eingestehen denen das Aussehen nicht gefällt: Man kann durch die 2 großen Polblöcke die 16kg schwere Montierung sehr einfach und leicht transportieren, was für die mobilen Sternfreunde ein sehr wichtiges Kriterium ist. Erfreulicherweise ist wirklich kein einziges Teil an der Montierung aus Plastik, alles ist super verarbeitet, und aus sehr hochwertigen Materialen gearbeitet. Nur der Lack zeigte ein paar Probleme, welches OTE aber bekannt ist.
 
Durch eine dicke M16 Schraube wird die OTE150 mit der Säule in meiner Gartensternwarte verbunden, man braucht sich also keine Sorgen über die Stabilität machen. Mit im Lieferumfang ist auch ein Polsucher, über den ich leider nicht viel berichten kann, da ich meine OTE150 stationär in der Sternwarte betreibe, ihn also nur einmal ?in Betrieb? hatte. Mir hätte allerdings eine integrierte Polsucherbeleuchtung sehr geholfen, da man die Sternbilder die auf der Linse des Polsuchers eingearbeitet sind, mit den "realen" Sternen am Himmel in Deckungen bringen muss, nur sehr schwer ohne Licht erkennen kann. Eine kleine rote Lampe, deren Strahl ich vorne auf die Linse geleuchtet habe, tat es aber auch. as Scheinern ist mit dieser Montierung wirklich kein Problem! Hier zeigt sich der große Vorteil der guten Verarbeitungsqualität: Die Polhöhe lässt sich durch eine Schraube (siehe Bild) sehr einfach und fein einstellen. Leider fehlt eine Gradanzeige, mir persönlich stört dies aber nicht.
 
Genauso gut lässt sich auch der Azimut durch 2 Schrauben die gegen den groß dimensionierten Edelstahlblock drücken einstellen. Das geht wirklich butterweich und es kann sich nichts mehr verstellen, wenn man einmal die richtige Einstellung gefunden hat.
 
Jetzt aber zur entscheidenden Frage: Was trägt die OTE150 ? Nun, meinen 8" f/4 Newton von GSO inklusive einer Sbig ST-7 Kamera trägt sie wirklich ohne Probleme. Da sind noch viele Reserven drin, da die Ausschwingzeit bei etwas unter einer Sekunde liegt! Ich hatte auch schon meinen 8" f/5 Skywatcher Dobson Tubus, der mit 9kg kein Leichtgewicht ist, montiert, was auch keine Problem machte. In der Hinsicht bin ich schon mal sehr zufrieden.
ei der ersten Messung des periodischen Schneckenfehlers zeigten sich erste Probleme bei der Nachführgenauigkeit. Die Montierung hatte einen viel größeren Fehler, als von OTE garantiert. Ich habe einen Fehler von etwa 25" gemessen, was natürlich inakzeptabel war. Nach einem Bericht an Jörg Oulabi von OTE erfuhr ich, dass meine Montierung die 10. ist, die hergestellt worden war, deshalb noch kleinere Kinderkrankheiten besäße, und das er sie auf jeden Fall wieder zurück in die Firma holen würde und den Fehler bereinigen würde. Bis er sie persönlich bei mir abgeholt hatte, machte ich trotzdem erste Aufnahme mit der Montierung, als erstes den Sternhaufen M11 ohne eine PEC Kurve.
Hier zeigt sich deutlich der auftretende Nachführfehler in der RA Achse durch den Schneckenfehler. Die Einzelbilder wurden je 5 Minuten lang belichtet.
Eine PEC Kurve nimmt man auf, um den per. Schneckenfehler auf ein Minimum zu verkleinern indem man in der Zeit in der die Schnecke eine komplette Drehung durchläuft (bei der OTE z.b. 14min) manuell die Korrekturen mit der Handbox durchführt, sodass der Stern immer in der Mitte des Fadenkreuzes bleibt. Wenn man nach der einen Umdrehung diese PEC Kurve aktiviert, führt die Steuerung automatisch die vorher aufgenommenen Korrekturen durch. Bedingung für eine funktionierende PEC Kurve ist allerdings, dass der Fehler periodisch auftritt, das heißt also, dass bei jeder Umdrehung der gleiche Fehler auftritt. Allerdings muss man mit einer aktivierten PEC Kurve beachten, dass man die Montierung nur noch mit der Handbox steuert, sonst stimmt die Kurve nicht mehr mit der Schnecke überein. Natürlich ist es noch möglich durch das Lösen der Klemmungen die Montierung zu bewegen.
Und genau so eine PEC Kurve habe ich vor der Überarbeitung der OTE150 auch aufgenommen, und es hat sehr viel gebracht! Der Autoguider hatte viel weniger "Arbeit" den Fehler auszugleichen. Das Bild vom berühmten "Bubble" Nebel NGC7635 habe ich mit PEC aufgenommen und siehe da - schöne runde Sterne.