Seit Dezember gibt es von Baader einen neuen Filter, der universell einsetzbar sein soll. Er versprach unter anderem, den Farbfehler von einem Frauenhofer Refraktor zu eliminieren, den Kontrast an Planeten und Mond verstärken und den Hintergrund visuell und photografisch zu "schwärzen". Da wuchs natürlich mein Interesse an dem Filter, da ich sowohl einen neuen 102/500 Synta Refraktor mein Eigen nannte und den Filter photografisch mit einer Mintron Videokamera testen wollte. Wolfi Ransburg war so nett, mir ein Testexemplar zu zusenden. Leider war genau in dieser Zeit eine sehr lange Schlechtwetterphase. Deshalb dauerte es ein wenig bis ich zu den Tests kam. Als erstes konnte ich den Filter an der Sonne durchführen. Ich schraube den Filter an das 32mm SP von Skywatcher, und beobachtete damit die Sonne durch den 102/500er Refraktor (natürlich MIT Folie !!). Das Bild wurde nochmal etwas verdunkelt, das Gesamtbild wurde richtiggehend grün! Die wenigen Sonnenflecken waren aber etwas kontrastreicher als ohne Filter. Die Schärfe änderte sich nach mehrmaligem Wechsel zwischen Okular mit Filter und ohne Filter nicht. Leider verloren die Sonnenflecken ein wenig an Kontrast, da die übrige Sonnenoberfläche nicht mehr weiss war, sondern leicht "grün" durch den Filter.
Nach weiterem Warten auf klares Wetter, konnte ich den Filter endlich an den 2 grossen Gasplaneten und dem Halbmond testen. Mit dem 8" Skywatcher Newton:
Jupiter wurde schön verdunkelt, was ja auch eher erwünscht ist, bei der grossen Helligkeit des Planeten. Auch hier wurde das Bild grün. Der Kontras aber stieg etwas an, vor allem in den Bändern zeigte sich dies deutlich. Mit dem Kontrast Booster konnte ich eindeutig mehr Details in den Bändern von Jupiter erkennen. Bei Saturn zeigte sich in etwa der gleiche Effekt, das Bild wurde verdunkelt und färbte es grün. An der Schärfe änderte sich wie bei den Sonne nichts.
Mit dem 4" Synta Refraktor:
Da der Refraktor nur 500mm Brennweite hat, muss ich meine 2 Televue Barlows einsetzen. Dadurch ergibt sich eine Brennweite von 3m. Mit dem 32mm Okular zeigt sich ohne Filter ein schön Scharfer Saturn mit eindeutiger Cassiniteilung. Mit dem Filter aber, wird das Bild einfach zu dunkel. Vielleicht haben andere Beobachter keine Probleme mit dieser "Dunkelheit" ich komme damit aber gar nicht zurecht.
Als letzten Test kam noch der photografische an die Reihe. Als Instrumente kamen auch dieses mal der 8" Newton und der 4" Refraktor an die Reihe. Die Kamera ist eine Mintron Videokamera, im Vertrieb durch Lechner. 8" Skywatcher Newton:
Zuerst wurde ohne Filter das Videobild von Saturn und Umgebung beobachtet. Es zeigte sich ein riesiger weisser "Fleck", das war der überbelichtete Saturn. Im Hintergrund waren sehr viele weiteren Hintergrundsterne. Die Grenzgrösse liegt in einer guten Nacht und 8" f/5 bei etwa 15mag. Der Hintergrund war wie gewohnt etwas aufgehellt. Dann mit dem Filter vor der Kamera: Als erstes ist mir aufgefallen, dass doch einige Sterne fehlen! Die Grenzgrösse ist auf jeden Fall etwas gesunken. Aber der Hintergrund wurde wirklich schwärzer. Zwar nicht so sehr viel aber doch schon leicht sehbar. Deshalb machte ich eine Testreihe von Aufnahmen mit gleicher Belichtungszeit. Für iede Aufnahmereihe machte ich ein neues Darkframe. Das zog ich dann von jeden Bild vor der Addition ab. Es zeigte sich, dass auf dem fertigen Bild ohne Filter die Grenzgrösse bei etwa 17,5mag lag, der Hintergrund war durch das abgezogene Dark auch wie gewohnt dunkler geworden. Auf dem fertigen Bild mit Filter waren wie auf dem Livebild weniger Sterne zu sehen. Der Hintergrund war aber schön dunkel. Ich bevorzuge die Version ohne Filter, da man den Hintergrund leicht durch die moderne Bildbearbeitung verdunkeln kann.
4" Synta Refraktor:
Wie beim Newton machte ich eine Sternfeldaufnahme um Saturn. Ohne Filter hatten die Sterne ein deutliche helles Halo, was bei einem Achromat ja auch kein Wunder ist. Ich war sehr gespannt, wie der Kontrast Booster die Halos veränderte. Also wurde er in das Gewinde geschraubt, und leider waren die Halos immer noch da. Leider sank auch, wie bei dem Newton die Grenzgrösse. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Halos sich nicht veränderten, Die Sternscheiben wurden kleiner, die Halos waren aber genauso gross wie bei dem Livebild ohne Filter. Das kann natürlich nur eine Täuschung sein, aber ich habe es so empfunden. Der Hintergrund wurde bei "nur" 4 Zoll richtig schwarz. Aber hier gilt das gleiche bei dem Newton. Als Vergleich dazu schaute ich mir gleich danach noch das Livebild an, dieses mal mit einem IR Sperrfilter im Strahlengang. Er verringert die Grenzgrösse so gut wie nicht, aber die Halos werden sehr deutlich verkleinert. Das scheint wirklich der einzige Filter zu sein, der richtig gut am Achromat hilft.
Photografisch an den Planeten veränderte sich das Bild zwischen mit Filter und ohne Filter nicht.
Fazit: Leider hat der neue Baader Kontrast Booster Filter meine Erwartungen nicht erfüllen können. Einzig an Jupiter zeigte er eine Verdeutlichung der Details auf der Planetenoberfläche. An allen anderen getesteten Objekten veränderte sich nichts, photografisch verschlechterte sich das Ergebnis sogar leicht. Ein Vergleich zwischen dem Kontrast Booster und den Deepsky Filtern wäre meiner Meinung noch interessant. Diese besitze ich aber leider (noch) nicht :-). Zum Schluss möchte ich mich noch bei Wolfi Ransburg bedanken, dass er mir den Filter so lange zur Verfügung stellte.
© 2003 Daniel Marquardt